Tierversuche an Nachtigallen

Nachtigall
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Im Bundesland Brandenburg sollen in Zukunft Tierversuche an Nachtigallen durchgeführt werden. Diese sollen zur Erkenntnisgewinnung über Autismus beim Menschen dienen. Inwieweit diese Versuche doch tatsächlich auf die menschliche Krankheit übertragbar sind, ist mehr als fragwürdig.

Die Brandenburger Behörden haben den Fang von Nachtigallen zu einem Tierversuch genehmigt. Drei männliche Nachtigallen sollen der Natur entnommen werden und mit drei in Gefangenschaft aufgezogenen Weibchen im Labor Nachwuchs zeugen. Dieser wiederum soll für invasive Tierversuche eingesetzt werden.

Fördergelder der EU unterstützen Vorhaben
Bei den geplanten Versuchen soll den Nachtigallen der Schädel aufgebohrt werden, um ihnen Sonden ins Gehirn zu implantieren. Für die Biologin interessant zu sein scheinen die neuronalen Grundlagen der gesanglichen Kommunikation der Vögel,- sie hofft, aus den Ergebnissen der Tests Erkenntnisse über menschlichen Autismus zu gewinnen. Für den Versuch soll es Fördergelder der EU in Höhe von 1,5 Millionen Euro geben. Am Ende der Versuche werden die Tiere getötet. Der Deutsche Tierschutzbund sieht eine Übertragbarkeit der Erkenntnisse von Nachtigall-Gesängen auf eine komplexe neurologische Entwicklungsstörung wie Autismus als höchst fragwürdig an. Ebenso wie der Tierschutzverein für Berlin (TVB) und der Landesverband Brandenburg, lehnt unser Dachverband derartige Tierversuche strikt ab.

Tierversuchsfreie Forschungsmethoden
Ellen Schütze, Vorsitzende des Landesverbandes Brandenburg, fordert das Land Brandenburg eindringlich auf, die Genehmigung für den Fang der Nachtigallen zurückzunehmen. Schütze erklärt: „Wildtiere, auch deren Nachzuchten, sollten nicht für Tierversuche verwendet werden. Man sollte stattdessen stärker auf tierversuchsfreie Forschungsmethoden setzen, die näher am Menschen liegen“. Ines Krüger, 1. Vorsitzende des TVB, ergänzt: „Wir sind entsetzt, dass Brandenburg es erlaubt, Tiere einzufangen, um ihren Nachwuchs für diesen absurden Versuch zu züchten. Wir appellieren an die Landesregierung, das Vorhaben doch noch zu stoppen.“

Verbot wurde gekippt
Dabei hatte die Berliner Umweltbehörde die Entnahme der Tiere aus der Natur für die Versuche der Verhaltensbiologin Dr. Daniela Vallentin zunächst abgelehnt. Am Ende gab das Landesamt für Umwelt jedoch seine Zustimmung, obwohl sich alle Brandenburger Naturschutzverbände und die Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz einheitlich gegen die Tierversuche ausgesprochen hatten.

Tierschutzgesetz muss angepasst werden
Für den Präsidenten unseres Dachverbandes, Thomas Schröder, ist der aktuelle Vorgang ein erneuter Beweis dafür, dass die Bundesregierung endlich das Tierschutzgesetz anpassen muss: „Die Behörden, die Tierversuchsanträge genehmigen, müssen unabhängig von der Einschätzung des Antragstellers beurteilen können, ob der Tierversuch wirklich unerlässlich und ethisch vertretbar ist.“ Aktuell schreibt das Tierschutzgesetz vor, dass ein Antrag von der Behörde zu genehmigen ist, sofern dieser formell richtig gestellt ist und der Antragsteller den wissenschaftlichen Nutzen und die ethische Vertretbarkeit begründet. Es genügt also, wenn der Antragsteller den Tierversuch für ethisch gerechtfertigt hält. Eine wirkliche Beurteilung durch die Behörde findet somit nicht statt.

Milchpreise sinken wieder

Milchkühe
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Die Verbraucher freuen sich über den niedrigen Milchpreis. Für die Kühe bedeutet der stetig sinkende Preis allerdings nur mehr Ausbeutung und weniger Budget für den Tierschutz.

Vielen Verbrauchern ist dies bewusst und sie sind laut Umfragen auch dazu bereit, für tierschutzgerechter erzeugte Produkte mehr Geld zu bezahlen. Denn in der Gesellschaft ist es längst angekommen: Tierschutz kostet Geld und Dumpingpreise gehen zu Lasten der Tiere. Doch nun sollen laut Medienberichten wieder einmal die Milchpreise gesenkt werden.

Landwirte haben keine Wahl
Der Preiskampf um die Milch geht weiter und lässt den Landwirten keine Alternative. Um noch kostendeckend zu wirtschaften, müssen sie ihre Produktionskosten senken. Dazu müssen sie entweder die Anzahl der Kühe in der Herde erhöhen oder die Milchmenge pro Kuh steigern. Auch am Tierarzt muss gespart werden. Den Kühen und Kälbern werden somit Behandlungen verwehrt, was ihrer Gesundheit schadet. Als Folge werden Kühe im Alter von durchschnittlich vier bis fünf Jahren wegen Erkrankungen und abnehmender Leistung geschlachtet oder versterben auf dem Betrieb. Das Einzeltier verliert immer mehr an Wert. Dies wird auch am Umgang mit den männlichen Kälbern deutlich. Als Nachwuchs von Hochleistungsmilchrassen werden diese Tiere als wertlos eingestuft und deshalb schlechter gehalten oder gar vernachlässigt.

Nachhaltigere Preispolitik muss greifen
Bei einem höheren Milchpreis wäre es möglich, Kühe unter besseren Bedingungen zu halten, ihnen auch eine tierärztliche Behandlung zuzugestehen, sich nicht nur auf eine maximale Milchleistung zu fokussieren und eine höhere Lebenserwartung zu erreichen. Unser Dachverband - der Deutsche Tieschutzbund- hat daher Molkereien und den Lebensmittelhandel zu einer nachhaltigen Preispolitik aufgefordert. Nur so können Landwirte mehr Tierschutz in die landwirtschaftliche Nutztierhaltung einbringen. Auch von politischer Seite müssen Maßnahmen für eine tierfreundlichere Ausrichtung der Landwirtschaft ergriffen werden.

Kükentötung

Küken
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Jährlich werden Million männlicher Küken kurz nach ihrem ersten Schritt in die Welt getötet, weil ihre Aufzucht unwirtschaftlich ist. Neulich wurden auch weibliche Tiere nach ihrem Schlupf getötet. Grund: Überproduktion.

Vor kurzem zeigte ZDF-Wiso Aufnahmen von Küken, die nach dem Schlupf in der Brüterei vergast werden – darunter männliche, aber auch weibliche Tiere. Der Grund für die Tötung aller Küken ist offensichtlich eine Überproduktion. Doch ein vernünftiger Grund, wie ihn das Tierschutzgesetz für die Tötung von Wirbeltieren vorschreibt, ist nicht gegeben.

Tödliche Kalkulation
Die Bilder, die unserem Dachverband vorab vorgelegt wurden, zeigen, wie die Küken kistenweise in die Vergasung gehen. Ihr Geschlecht wurde dabei zuvor - wie es sonst üblich ist – nicht bestimmt. Während das Oberverwaltungsgericht Münster entschieden hatte, dass bei der Tötung männlicher Legehennen-Küken mit der Wirtschaftlichkeit ein vernünftiger Grund vorliegt, sieht die rechtliche Sachlage im aktuellen Fall noch einmal anders aus. „Eine Überproduktion von Küken kann kein vernünftiger Grund sein, alle Tiere zu töten“, sagt Schröder. Eine wirtschaftliche Notlage ist nicht gegeben. Auch, weil die Brüterei den Bruterfolg eigentlich relativ gut vorhersagen und damit die Anzahl der geschlüpften Tiere entsprechend kalkulieren kann.

„Wie faule Tomaten"
Genau wie unser Dachverband finden auch wir das Töten der Tiere skandalös. Der Deutsche Tierschutzbund hat Strafanzeige gegen die Brüterei Hölzl aus Moosburg an der Isar (Bayern) gestellt. „Es ist schon ein Skandal, dass männliche Küken aus wirtschaftlichen Gründen getötet werden dürfen. Dass nun alle Küken, egal welchen Geschlechts, wie faule Tomaten weggeworfen werden, ist nicht hinzunehmen“, sagt Thomas Schröder, Präsident unseres Dachverbandes. „Misswirtschaft und Managementfehler dürfen nicht auf Kosten der Tiere gehen.“ Der Deutsche Tierschutzbund fordert daher, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Hintergrund Kükentötung
In Deutschland werden pro Jahr ca. 45 Millionen männliche Küken der Legehennenrassen nach dem Schlupf getötet. Die Tiere legen keine Eier, eignen sich aber auch nicht zur Fleischgewinnung, da sie zu langsam wachsen und kaum Fleisch ansetzen. Ihre Aufzucht lohnt sich nicht, die Tiere sind unwirtschaftlich und werden deshalb als so genannte Eintagsküken vergast oder in einer Art Häcksler von rotierenden Messern getötet.

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