Ausstieg aus Tierversuchen gefordert

Affen müssen in Tierversuchen leiden
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Abgasversuche und Klonversuche: Im Zuge der aktuellen Diskussionen über Tiertests an und mit Affen wird wieder deutlich, wie dringend notwendig ein Ende von Tierversuchen ist. Gefordert ist eine Ausstiegsstrategie, wie es sie in den Niederlanden bereits gibt.

In Deutschland leiden jährlich mehr als drei Millionen Tiere in Versuchen. Im Anschluss an das Leid folgt fast immer der Tod. Nach Bekanntwerden der Abgasversuche an Affen in den USA hatte die Bundesregierung  die mangelnde ethische Vertretbarkeit dieser Tests angeprangert. Landwirtschaftsminister Christian Schmidt hatte zudem mehrfach öffentlich verkündet, dass es sein langfristiges Ziel sei, Tierversuche komplett zu ersetzen. Der Deutsche Tierschutzbund ruft nun die Bundeskanzlerin in die Pflicht und fordert ein Ausstiegsszenario aus Tierversuchen, mit als Ziel eine tierversuchsfreie Forschung.

Gesamtstrategie ist erforderlich
Aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes braucht es eine Gesamtstrategie, um Tierversuche einzuschränken und wo möglich durch Alternativmethoden zu ersetzen. Bereits die Strategie zur Energiewende hätte gezeigt, dass eine Umkehr möglich sind: „Bundeskanzlerin Merkel hat mit der nationalen Strategie zur Energiewende bereits gezeigt, dass eine Politik der Umkehr möglich ist. Diesen Mut und diese Entschlossenheit wünschen wir uns auch beim Thema Tierversuche. Das Tierleid in den Laboren muss endlich aufhören“, fordert Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.

Niederlande setzen positives Beispiel
Das Ziel, Tierversuche zu ersetzten, wird ebenfalls von einer EU-Richtlinie (2010/63) formuliert. Darauf basierend, könnte die Bundesregierung eine Ausstiegsstrategie entwerfen und gleichzeitig Förderpläne für tierversuchsfreie Alternativmethoden entwickeln. Schröder dazu: „Unsere Nachbarn in den Niederlanden machen es uns vor: Sie haben das konkrete Ziel formuliert, alle Tierversuche zur Prüfung von Stoffen, etwa von Chemikalien oder pharmazeutischen Inhaltsstoffen, bis 2025 zu beenden und gleichzeitig den Wissenschaftsstandort zu stärken, indem man weltweit Vorreiter für eine Forschung ohne Tierversuche werden will. Das ist mutig und sollte für Deutschland ein Vorbild sein.“

Närrische Tage ohne Tierleid

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Immer mehr Karnevalsjecken wollen ihre Vierbeiner im Karneval mit dabeihaben. Damit bescheren sie ihrem Schützling allerdings mehr Leid als Freude. Auch Pferde in Umzügen leiden und hinter Karnevalsschminke können sich qualvolleTierversuche verbergen.

In der "fünften Jahreszeit" feiern die Jecken was das Zeug hält. Viele wollen auch ihren Vierbeiner mit einbeziehen. Mittlerweile gibt es von zahlreichen Karnevalskostümen bereits eine Version für Hunde. Doch eine Karnevalskostümierung gefällt eher den Menschen und dient weniger dem Wohl des Tieres. Wer seinem Schützling Leid ersparen will, sollte  ihn nicht verkleiden. Kostüme schränken den Vierbeiner in seiner Bewegungsfreiheit und der Körpersprache ein und beeinflussen den Wärmehaushalt negativ. Auch können sie zu Verletzungen führen, etwa wenn es durch Reibung des Stoffes zu Hautabschürfungen kommt. Außerdem besteht die Gefahr, mit dem Kostüm oder mit Accessoires hängenzubleiben. Schlimmstenfalls kann sich das Tier dabei strangulieren.

Karnevalsumzüge sind Stress für Bello
Menschenansammlungen und damit oft verbundener Lärm und Durcheinander machen vielen Hunden Angst und bedeuten Stress. Bei Umzügen oder Sitzungen sollte der Vierbeiner deshalb am besten zu Hause bleiben. Darüber hinaus sind z.B. Böller oder herumliegende Glassplitter eine Gefahr für die Tiere.

Pferde nicht geeignet
Auch heute werden noch Pferde in Karnevalszügen eingesetzt. Aus Sicht des Tierschutzes ist dies sehr bedenklich, da die Tiere  dabei extremen Gefahren und  Stress ausgesetzt sind. Oft stundenlang müssen sie  in unnatürlichem Tempo und auf Asphalt gehen. Bei lauter Musik und Gegröle werden sie nervlich stark strapaziert. Auch für  Menschen sind die Pferde eine Gefahr, denn sie können nervös werden und  die  Jecken am Straßenrand auf den oft engen Wegen verletzen.

Vorsicht bei Karnevalsschminke
Hinter Karnevalsschminke können sich Tierversuche und damit verbundenes Tierleid verbergen. Denn immer noch können an Tieren getestete Inhaltsstoffe in Kosmetika verwendet werden. Karnevalsjecken sollten daher darauf achten, nur Schminke von Herstellern zu verwenden, die sich klar gegen Tierversuche ausgesprochen haben. Auskunft gibt die Kosmetik-Positivliste des Deutschen Tierschutzbundes. Die darin aufgeführten Hersteller führen keine Tierversuche durch und verwenden nur Inhaltsstoffe, die seit 1979 nicht mehr im Tierversuch getestet wurden.

Tierschutzlabel besteht seit fünf Jahren

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Produkte die mit dem Label „Für mehr Tierschutz“ des Deutschen Tierschutzbundes gekennzeichnet sind, werden unter höheren Tierschutzstandards als gesetzlich vorgeschrieben hergestellt. Das Label gibt es seit fünf Jahren, die Bilanz ist positiv.

Seit fünf Jahren gibt es das Tierschutzlabel „Für mehr Tierschutz“ des Deutschen Tierschutzbundes. Produkte, die mit dem Label gekennzeichnet sind, sind inzwischen bei 19 Handelsunternehmen erhältlich.

Höhere Standards in der Tierhaltung
Das Label gibt es in einer Einstiegs- und in einer Premiumstufe. Grundpfeiler des Programms sind Tierschutzstandards, die zu wissenschaftlich erwiesenen Verbesserungen für die Tiere führen, wie etwa ein deutlich erhöhtes Platzangebot, geeignete Beschäftigungsmaterialien in ausreichenden Mengen, Strukturierung der Haltungsumgebung und im Premiumstandard Kontakt zu Außenklima. Insgesamt halten heute über 200 Betriebe ihre Tiere - Mastschweine, Masthühner, Legehennen und Milchkühe - unter den Kriterien des Tierschutzlabels, die höher sind als die gesetzlich vorgeschriebenen Anforderungen. Die Einhaltung der jeweiligen Standards wird in unangekündigten Kontrollen durch unabhängige Zertifizierungsgesellschaften überprüft.

Situation der Tiere muss verbessert werden
Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, zieht nach fünf Jahren Tierschutzlabel eine positive Bilanz und erklärt: „Die Politik hat es bis heute nicht geschafft, gesetzlich geregelte Verbesserungen für die Tiere zu schaffen, geschweige denn eine solide Tierschutzkennzeichnung zu etablieren. Initiativen der Branche, wie die Initiative Tierwohl, sind aus Tierschutzsicht gescheitert. Deshalb gehen wir unseren Weg mit dem Tierschutzlabel weiter – um jetzt und sofort die Situation der Tiere zu verbessern und ein spürbares Mehr an Tierschutz zu realisieren.“

Herausforderungen werden bleiben
Besonders zufrieden ist der Deutsche Tierschutzbund mit dem Label in der Premiumstufe für Mastschweine, der Entwicklung im Bereich der Legehennen sowie dem soliden Angebot im Bereich der Masthühner. Das Label für Milchkühe ist vor einem Jahr erfolgreich angelaufen und entwickelt sich ebenfalls sehr vielversprechend, so der Verband, der im kommenden Jahr mit einer erheblichen Steigerung bei der Zahl der teilnehmenden Betriebe rechnet. Der Deutsche Tierschutzbund bedauert, dass der Ausbau der Einstiegsstufe Schwein weiterhin stagniert. Die Umstellung von konventionellen Warmställen mit Vollspaltenböden auf eine tiergerechtere Haltung sowie auch die Problematik des Schwanzbeißens sei nach wie vor eine Herausforderung. Auch die Realisierung kurzer Transportwege sei aufgrund der dezentralen Strukturen bisweilen schwierig. Als positiv verzeichnet der Verband, dass - trotz nach wie vor eher geringer Marktdurchdringung - sich immer mehr Handelsunternehmen zum Tierschutzlabel bekennen und das Angebot stetig wächst.

Wo erhält man Produkte mit dem Tierschutzlabel?
Produkte, die mit dem Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbundes gekennzeichnet sind, gibt es bei mittlerweile 19 Handelsunternehmen - teils bundesweit und teils in immer größeren Regionen:

ALDI Nord, ALDI SÜD, EDEKA (Regionalgesellschaften Minden-Hannover, Nord, Nordbayern-Sachsen-Thüringen, Rhein-Ruhr, Südbayern, Südwest), Famila, Globus, Hit, Kaufland, Konsum Leipzig, Lidl, Metro, Netto, Norma, real, REWE Karstadt.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Tierschutzlabel

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